Cheat-Praxis: Wissenswertes


Cheating bei Videospielen - Eine kurze Historie

Die ersten Cheatcodes

Ihre Geschichte beginnt, gemeinsam mit der von Videospielen, auf dem Computer. Schon bei sehr frühen Titeln können wir sie finden, damals sehr häufig in Form von Codes. Einer der ersten Cheats, die uns bekannt sind, befand sich im 1983 veröffentlichen Spiel "Manic Miner" - und zwar in Form eines Nummerncodes, der einen Cheatmodus aktivierte. Der Cheat war also fest im Spiel eingebaut. In verschiedenen Spielen der frühen 80er Jahre finden sich bereits ähnliche Möglichkeiten.

Schnell haben sich diese Wege zum Schummeln etabliert und wurden zu einem Teil der Videospielgeschichte. In Meilensteinen wie "Doom" oder "Age of Empires", an die sich viele von uns noch gerne erinnern, gehörten Codes wie IDDQD oder BIGDADDY fest zur Spielkultur dazu.

Auch auf Konsolen waren sehr schnell Cheats in die verfügbaren Spiele integriert. Allen voran vermutlich der weltbekannte "Konami Code", erstmals 1986 auf dem NES von Nintendo verwendbar.

Durch die Tastenkombination hoch, hoch, runter, runter, links, rechts, links, rechts, B, A ließ sich damit schummeln und der Code wurde über die Jahre legendär.

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Da Mogeln fest zur Kultur von Videospielen gehört, wurde natürlich stets nach Wegen gesucht, sich auch in Titeln einen Vorteil zu verschaffen, die keine vom Entwickler eingebauten Codes ermöglichten. Lange, bevor Computer mit Windows betrieben wurden, nahm dies beispielsweise die Form von "POKE"-Befehlen an. Findige Spieler mit Programmierkenntnissen konnten mit diesen Kommandos einzelne Stellen im Speicher des Computers gezielt überschreiben, um dem Spieler beispielsweise mehr Leben im Spiel zu geben.

Verwendungszweck

Warum gibt es diese Möglichkeiten eigentlich und welchen Umständen haben wir diese zur Tradition gewordenen Features zu verdanken? POKEs und andere Methoden außerhalb des Spiels sind einfach dem menschlichen Willen geschuldet, das System zu schlagen und sich freche Vorteile zu sichern. Doch warum gab es überhaupt die von den Programmierern eingebauten Cheatcodes?

Ihren Ursprung hatten diese im Entwicklungsprozess der Programme selbst. Damit ein Spiel getestet werden konnte, musste es theoretisch durchgespielt werden, bis man an dem Teil angekommen war, der überprüft werden musste. Damit dies einfacher von der Hand ging, beziehungsweise die Tester nicht gar am Schwierigkeitsgrad des Spiels scheitern konnten, gab es diese Kommandos. So konnten einzelne Spielmechaniken sehr viel effizienter getestet werden, da der Spieler beispielsweise unbesiegbar war.

Wie haben sich diese Cheat-Formen entwickelt?

Über die Jahre hinweg haben sich nicht nur Spiele, sondern auch die dazu gehörigen Cheats weiterentwickelt. Da sich die Cheatcodes unter den Spielern großer Beliebtheit erfreuten, hat es sich eingebürgert, diese auch dann einzubauen, wenn sie bei der Entwicklung nicht nötig gewesen wären. Sie wurden praktisch zu einem Teil der Spielerfahrung, die Spielern zusätzliche Wege boten, mit dem Produkt Spaß zu haben. Die sich darum entwickelnde Kultur hat letzten Endes sogar dazu geführt, dass in manchen Spielen beim Durchspielen nach und nach verschiedene, direkt im Menü aktivierbare Cheats verfügbar waren. Viele davon sind heutzutage sogar nur zum Spaß entworfen - so beispielsweise der "Big Head"-Modus in "Tony Hawk's Pro Skater".

Auch die Art Cheats, die nicht von den Entwicklern beabsichtigt ist, hat sich weiterentwickelt. Mit speziellen Programmen, so genannten Trainern oder Editoren, wurde die Manipulierung der Spieldaten stark vereinfacht, sodass jeder Spieler auch ohne tiefere Kenntnisse diese verwenden konnte. Ein typisches Anwendungsbeispiel ist etwa das Anpassen des Levels oder der Geldmenge eines Charakters in einem Rollenspiel.

Und auch auf Konsolen, wo es kein Betriebssystem gab, mit dem man weitere Programme für den Zugriff auf die Spieldaten installieren konnte, waren bald Wege gefunden, dennoch zu schummeln: Inoffizielle Module wie der "GameShark" konnten selbst für Nintendo-Spiele Cheats aller Art aktivieren. Dazu wurde einfach das Spiel, in dem gemogelt werden wollte, oben auf das "GameShark"-Modul aufgesteckt und dieses dann in die Nintendo-Konsole. Die Spieldateien, die dann geladen wurden, waren so verändert, dass es verschiedenste Möglichkeiten zum Cheaten gab.

Cheating im Multiplayer

Immer mehr Spiele bieten einen Multiplayer-Modus über Netzwerk oder das Internet. Damit dieser Spaß macht, muss jeder Spieler gleich wettbewerbsfähig sein. Um sich im Rahmen des Möglichen Vorteile zu erhalten, bleibt daher nur das, was im Spiel selbst einstellbar ist - wie etwa in den Grafikoptionen die Sichtweite so hoch wie möglich einzustellen. Damit man hier flexibel ist, muss der Rechner natürlich möglichst viel Power haben. Auch einer der Gründe, warum sich Gamer gerne einen sehr leistungsfähigen Computer nach den eigenen Anforderungen zulegen. Eine höhere Sichtweite ermöglicht es beispielsweise, Feinde früher zu erkennen, ist aber auch mit einem höheren Leistungsaufwand verbunden. Ohne den dazu passenden Rechner ist man also möglicherweise benachteiligt.

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Multiplayertitel müssen häufig mit sehr aufwendigen Maßnahmen verhindern, dass Spieler nicht doch Wege finden, Cheats zu nutzen. So gibt es dafür mittlerweile eigene Programme, die parallel zu den Spielen laufen und das System ständig auf versuchte Betrügereien überprüfen.

Die Situation in der modernen Spieleumwelt

Die Geschichte der Cheats in Videospielen ist noch nicht zu Ende geschrieben. Heute erfreuen sie sich nach wie vor großer Beliebtheit. Dabei sind alle verschiedenen Arten weiterhin vertreten. Mogelcodes gibt es vor allem weiterhin in Spieleserien, die stark dadurch geprägt wurden.

Doch die Spielelandschaft hat sich mit der Weiterentwicklung der Technik verändert, was auch einen Effekt auf die Schummeleien hatte. Durch die dauerhafte Vernetzung, die auch in Spielen zum Mehrwehrt genutzt wird, sind bestimmte Mogelmethoden nicht mehr so üblich wie früher. Sehr viele Spiele setzen heutzutage beispielsweise darauf, den Spielstand eines Spielers nicht mehr lokal auf dem eigenen System, sondern "in der Cloud" abzulegen - dadurch haben beispielsweise Editoren keinen Zugriff mehr auf die Daten, die den Spielfortschritt festhalten.

Ein weiterer Aspekt des sozialen Gamings, der einen Einfluss auf das Cheating hatte: Die Errungenschaften, die beispielsweise bei einem erfolgreichen Abschließen aller Nebenmissionen verliehen werden. Diese wurden entwickelt, damit Spieler untereinander ihren Spielfortschritt besser vergleichen konnten - doch wenn ein Spieler Cheatcodes dafür verwenden könnte, würde dies den Sinn dahinter zerstören. Daher sind in derartigen Spielen, auch wenn sie ansonsten reine Singleplayer-Titel sind, häufig keine Codes mehr verfügbar. "Grand Theft Auto V" beispielsweise verfügt sowohl über Errungenschaften, als auch Schummelcodes - aber während diese aktiv sind, ist der Fortschritt bei Erfolgen deaktiviert. So kann das Spiel das Beste aus beiden Welten vereinen.