http://www.welt.de/data/2005/01/24/392709.html
Padua - "Wo ist Ettore?" fragte Rossana, als sie die Augen wieder aufschlug. Es war ihr erstes Wort nach fast fünf Monaten. Im letzten September hatte sie einen Schlaganfall erlitten; seitdem lag sie im Koma. "Wo ist Ettore?"
Ettore, ihr Mann, hatte sie seit September fast täglich in der Intensivstation in Padua besucht, manchmal vier Mal täglich, mit wachsender Verzweiflung. Die beiden hatten keine Kinder, mit denen er sein Leid hätte teilen können. Dem Pfarrer hatte er gestanden, daß er die Hoffnung langsam aufgebe, immer erschütterter von dem leblosen Gesicht seiner Frau, mit der er bis dahin sein Leben geteilt hatte und die nun auf keinen einzigen seiner Anrufe und Berührungen mehr reagierte. Selbst die routinierten Ärzte waren gerührt, die seine Geschichte nun in der Öffentlichkeit nacherzählten. Denn als Rossana endlich nach Ettore rief, saß Ettore nicht mehr an ihrem Bett. Zwölf Stunden zuvor hatte Ettore sich in der Garage ihres gemeinsamen Hauses mit Abgasen umgebracht. Alle Kraft hatte ihn verlassen. "Ich kann einfach nicht mehr", hieß es in seinem Abschiedsbrief.
Romeo und Julia waren viel jünger, doch ihre Geschichte war nicht tragischer als die von Ettore und Rossana. Ettore war 71, Rossana 67. Beide lebten in Padua, rund 60 Kilometer von Verona entfernt, wo Shakespeare die unsterbliche Tragödie des jungen Liebespaares angesiedelt hat, dem es nur im Tod vergönnt war zusammenzukommen: Um mit Romeo entkommen zu können, hatte Julia zur Täuschung ihrer Angehörigen einen Zaubertrank zu sich genommen, der sie wie tot erscheinen lassen sollte. Weil Romeo den Plan nicht kannte, brachte er sich um, als er die bleiche Geliebte erblickte - kurz bevor Julia erwachte. Als sie den toten Romeo sah, erstach sie sich. Daß im richtigen Leben Komapatienten gewöhnlich nach fünf Monaten nicht lange überleben, tröstet die Italiener jetzt kaum. Wo Ettore ist, haben die Ärzte Rossana noch nicht gesagt. pb.
Padua - "Wo ist Ettore?" fragte Rossana, als sie die Augen wieder aufschlug. Es war ihr erstes Wort nach fast fünf Monaten. Im letzten September hatte sie einen Schlaganfall erlitten; seitdem lag sie im Koma. "Wo ist Ettore?"
Ettore, ihr Mann, hatte sie seit September fast täglich in der Intensivstation in Padua besucht, manchmal vier Mal täglich, mit wachsender Verzweiflung. Die beiden hatten keine Kinder, mit denen er sein Leid hätte teilen können. Dem Pfarrer hatte er gestanden, daß er die Hoffnung langsam aufgebe, immer erschütterter von dem leblosen Gesicht seiner Frau, mit der er bis dahin sein Leben geteilt hatte und die nun auf keinen einzigen seiner Anrufe und Berührungen mehr reagierte. Selbst die routinierten Ärzte waren gerührt, die seine Geschichte nun in der Öffentlichkeit nacherzählten. Denn als Rossana endlich nach Ettore rief, saß Ettore nicht mehr an ihrem Bett. Zwölf Stunden zuvor hatte Ettore sich in der Garage ihres gemeinsamen Hauses mit Abgasen umgebracht. Alle Kraft hatte ihn verlassen. "Ich kann einfach nicht mehr", hieß es in seinem Abschiedsbrief.
Romeo und Julia waren viel jünger, doch ihre Geschichte war nicht tragischer als die von Ettore und Rossana. Ettore war 71, Rossana 67. Beide lebten in Padua, rund 60 Kilometer von Verona entfernt, wo Shakespeare die unsterbliche Tragödie des jungen Liebespaares angesiedelt hat, dem es nur im Tod vergönnt war zusammenzukommen: Um mit Romeo entkommen zu können, hatte Julia zur Täuschung ihrer Angehörigen einen Zaubertrank zu sich genommen, der sie wie tot erscheinen lassen sollte. Weil Romeo den Plan nicht kannte, brachte er sich um, als er die bleiche Geliebte erblickte - kurz bevor Julia erwachte. Als sie den toten Romeo sah, erstach sie sich. Daß im richtigen Leben Komapatienten gewöhnlich nach fünf Monaten nicht lange überleben, tröstet die Italiener jetzt kaum. Wo Ettore ist, haben die Ärzte Rossana noch nicht gesagt. pb.
Aber sowas in der Form doch nicht. Bringt sich um, weil er das Koma seiner Frau nicht verkraftet und selbige wacht keine 12 Stunden später auf.
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