Kino: "München" (Film und Musik)

Kino: "München" (Film und Musik)

Zu den Olympischen Spielen 1972 in München wurden die israelischen Teilnehmer durch eine palästinensische Terrorgruppe als Geiseln genommen und kamen dabei ums Leben.

http://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Trag%C3%B6die

Spielberg zeigt in einem dreistündigen Politthriller, auf welche Weise Israel Vergeltung übt: Durch eine kleine Agentengruppe, welche die Drahtzieher nach und nach aufspüren und töten soll.

Ich fand ihn sehr sehenswert. Der Film baut von Anfang an eine bedrohliche Atmosphäre auf, was durch Williams' gekonnten zurückhaltenden Soundtrack, die kühlen Bilder, die Rückblenden zur Geiselnahme und das überzeugend in Szene gesetzte Europa der frühen 70er verstärkt wird.

Die Darsteller, allesamt keine Stars, sind perfekt gewählt; passend in der Hauptrolle: Eric Bana als Rächer mit Zweifeln. Es gibt viele Dialoge, und so entsteht ein vielschichtes Bild: Man sympathisiert mit den Darstellern und beginnt gleichzeitig, ihre Motive zu hinterfragen.

9/10

"Spielberg hat dieses sehr dunkle Kapitel der jüngeren Geschichte zu einem äußerst brisanten, zu einem aufwühlenden Film gemacht. Er hat ihn ganz bewußt jetzt gemacht, auch als Aufruf an jüngere Generationen, alte, übernommene Feindbilder zu hinterfragen. Neben beeindruckend routiniert eingesetzten Stilmitteln des Sprengstoff-lastigen Agentenkinos der 70er, berührt sein bis in die kleinsten Nebenrollen perfekt besetztes, deutlich Stellung beziehendes Werk vor allem als ein aufrüttelndes, auch ein verzweifeltes, in allem aber ein sachliches, ein stilles Gebet."

http://www.playerweb.de/naeherfilm.php3?id=3344
Sehe ihn mir heute abend an...mal sehen.
Wirklich ein sehr sehenswerter Film.

Eric Bana geht in der Rolle des skrupelbehafteten Killers Avner hervorragend auf, wie beim Rest des Teams wurde auf eine klare Gut-Böse-Charakterzeichnung verzichtet, was im späteren Verlauf die Grenze zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Vergeltung und sinnlosem Blutbad verschwimmen lässt.

Schön: Jederzeit wird die Authenzität der 70er Jahre vermittelt. Ob sich Avner nun auf einem Pariser (haha...) Markt mit einem Informanten trifft oder einen Kaffee im Zentrum Roms trinkt, dank hervorragender Nebenrollen und farblicher Anpassung reicht die Darstellung beinahe an die der Dokumentarfilme über die 70er heran.

Für den passend melancholischen, gefühlsbetonten Sound sorgt John Williams - passend wie die Faust auf's Auge untermalt er das mitunter doch recht herbe Geschehen auf der Leinwand.

Aber auch negative Seiten sind auszumachen: Die Schnitte sind oft zu abrupt, nehmen die Spannung und fehlen andererseits in anderen Szenen - der sprunghafte Eindruck, der unpassenderweise in manchen Szenen zum Ausdruck kommt, hätte andere Szenen dramaturgisch wertvoller erscheinen lassen.

Der Film hat - bei 164 Minuten Lauflänge fast nicht anders zu erwarten - zudem seine Längen: Die akribische Planungsarbeit ist zwar interessant anzusehen, beim dritten oder vierten Mord lässt sich das jedoch auch schneller durchführen. Durch das Hineinziehen des KGB und einer holländischen Hausfrau ist der Film zwar dramatischer, wird jedoch auch unübersichtlicher und wirkt überfrachtet.

Trotzdem unter'm Strich ein sehr sehenswerter Film mit Bildern die oftmals unter die Haut gehen, mit Schauspielern, die ihrer Rolle gerecht werden, mit einer Handlung, die die Hintergründe des stereotypen Agenten-BummBumm-Kino beleuchtet.

-> 87/100
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