Trotz Trauma zurück zu Folterern (Gesellschaft)

Trotz Trauma zurück zu Folterern (Gesellschaft)

Trotz Trauma zurück zu Folterern
Von Thomas Klink

„Ich habe nur Angst um meine Mutter.“ Leise sagt der 14 Jahre alte Alihan B. diesen Satz. Sein eigenes Schicksal scheint für ihn in den Hintegrund zu rücken, wenn er mit seiner Mutter Rosa (48) Pinneberg in eine ungewisse Zukunft verlassen muss. Die Ausländerbehörde des Kreises Pinneberg will es so, hat die Flugtickets für die Abschiebung in die russische Förderation bereits geordert. Am 7. September sollen Mutter und Sohn in einem Land ein neues Leben beginnen, das für sie Terror und Gewalt bedeute.

Rosa B. ist 2001 mit ihrem damals neun Jahre alten Sohn nach Deutschland geflüchtet. Sie erwartete Schutz und Hilfe. „Ich wollte meine Heimat und meine Familie nie verlassen“, sagt die 48 Jahre alte Frau unter Tränen. Doch die Ereignisse in ihrem Heimatland hätten ihr keine andere Wahl gelassen: „Vater und Bruder wurden im Tschetschenien-Krieg von russischen Milizionären erschossen.“ Sie selbst sei immer wieder wegen ihrer tschetschenischen Volkszugehörigkeit bedroht und gefoltert worden.

Auch der Versuch, aus dem Kriegsgebiet zu fliehen und in Moskau ein neues Leben zu beginnen, glückte nicht. Selbst dort sei sie körperlicher Gewalt ausgesetzt worden. Als ihr Mann während einer Reise von Moskau spurlos verschwand, flüchtete die Frau. Ob ihr Mann noch lebt, wisse sie nicht. Laut Berichten von Menschenrechtsorganisationen sind nach Ausbruch des zweiten Tschetschenien-Kriegs zwischen 3000 und 5000 Bürger des abtrünnigen russischen Staates „verschwunden“. Niemand könne über deren Schicksal Auskunft geben: Verschleppt, gefoltert, getötet – Alltag im Krieg.

Was genau Rosa B. zugestoßen ist, lässt sich nur erahnen. Sie redet nicht darüber. „Mir und meinem Sohn wurde Gewalt angetan“, sagt sie. Was musste der damals neunjährige Junge erleben, der nur sagt: „Ich war dabei.“

„Ich würde alles dafür geben, mein früheres Leben zurückzubekommen“, sagt die Frau. Das Leben, das 1994 mit dem Einmarsch von 40000  russischen Soldaten zu Ende ging. Das Leben, das sie in ihrer ehemaligen Heimat nie wieder erreichen wird. Zu schlimm sind die Erinnerungen an die Greueltaten.
Rosa B. ist in psychiatrischer Behandlung. „Die Erlebnisse, die Frau B. im Rahmen der Verfolgung durch die russische Miliz gemacht hat, sind eindeutig traumatisch“, erläutert Susanne Müller vom Diakonieverein Migration. Sie betreut Mutter und Sohn.

Psychologische Gutachten sagen zweifelsfrei aus, dass eine Rückkehr der Mutter in die Umgebung ihres Martyriums die Krankheit verschlimmert. Selbstmord wird ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

Der Ausländerbehörde des Kreises Pinneberg ist das alles bekannt. Dennoch spielt das schwere Trauma wegen die erlebten Gewalt keine Rolle. Wie bei der tamilischen Familie Anthonipillai aus Wedel (wir berichteten exklusiv) ließ die Behörde Rosa B. von einer Allgemeinmedizinerin aus Hamburg nur auf Flugtauglichkeit hin begutachten. Das Ergebnis: Mutter und Sohn sind reisefähig.

„Es wäre unerlässlich gewesen, einen Facharzt hinzuzuziehen“, sagt Susanne Müller vom Diakonieverein. Eine fachpsychiatrische Stellungnahme sei laut Erlass des Innenministeriums unerlässlich. Der Kreis beruft sich ebenfalls auf den Erlass und sieht nur eine Flugtauglichkeits-Untersuchung als notwendig an.

Auch das Verwaltungsgericht Schleswig scheint sich der Auffassung des Diakonievereins anzuschließen. In einem Eilverfahren haben die Richter laut Dr. Wolfgang Neitzel vom Diakonieverein Migration nun eine amtsärztliche Untersuchung angeordnet – für Rosa B. und ihren Sohn Alihan ist dies die letze Hoffnung.
Warum trifft es immer die falschen? Ich kenne da zb einen namens Sergej der Russe ist.Er hat 7 Anzeigen wegen Körperverletzung und 5 davon gingen vor Gericht.Und der hat nicht mal ins Gefängnis gemusst.Das sie diese arme Frau und ihren kleinen Sohn abschieben und das solche Schweine bleiben dürfen finde ich verrückt und ungerecht!
Für mich ist es ganz hart, er ist mein Freund und er geht auch in meine Klasse, mir kamen schon die Tränen.
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