China blue - Ausbeutung (Gesellschaft)

China blue - Ausbeutung (Gesellschaft)

Hallo,
Was verbirgt sich hinter dem Schild
"Made in China"
Ich möchte euch auffordern hinzusehen.
"China blue" ist ein Film, aber dennoch denke ich, dass dieses Thema wesentlich besser in das Gesellschaftsforum passt.
Es handelt sich um einen Dokumentarfilm von Micha X. Peled über die Arbeit chinesischer Näherinnen die Kleidung für verschiedene Firmen herstellen die in den USA, Europa und der ganzen Welt verkauft werden.
Jetzt werden viele denken, ja ich weiß doch, dass die schlecht bezahlt werden usw., das dachte ich zu erst auch, doch das was ich zu sehen bekam war mehr als schockierend.
Die Fabrik in der die Aufnahmen gemacht wurden liegt in dem Ort Shax und wird von einem Mr.Lam (ebenfalls Polizeipräsident des gleichen Ortes) geleitet.
Es ist keine "schlimme" Fabrik wird gesagt, dies bedeutet es gibt noch wesentlich schlimmere.
Die Geschichte beginnt mit der 17 jährigen Jasmin, die in einem Dorf aufgewachsen ist und als zweites Kind der Familie (Ein-Kind-Politik) keine Chance auf eine weitere Ausbildung hat.
Sie geht fort von zuhaus, ihrer Familie und allem was sie kennt um in der Fabrik von Mr.Lam zu arbeiten.
Ihre Aufgabe ist das Fadenabschneiden, sie muss die überflüssigen Fäden in einer Jeans entfernen (eine Jeans braucht 30 min.).
Pro Stunde verdient sie 6 Cent (das ist auch in China sehr wenig), die Arbeit beginnt um 8 Uhr und endet um 19 Uhr, danach folgen täglich unbezahlte Überstunden, manchmal bis drei Uhr, manchmal die ganze Nacht.
Die Arbeiterinnen kriegen häufig nicht mehr als drei Stunden Schlaf und das Wochen lang.
Es kam schon vor, dass solche Frauen an Erschöpfung starben.
Mit Tafeln auf denen steht:
"Wer heute nicht gut arbeitet sucht morgen arbeit" o.
"Heute 10 Überstunden"
sollen die Arbeiter motiviert werden. Jasmin lebt mit 11 anderen Mädchen in einem Zimmer über der Fabrik, die meisten von ihnen sind noch jünger als sie.
Sie haben gefälschte Ausweise, denn auch in China ist Kinderarbeit verboten, aber interessieren tut dies keinen.
Viele von ihnen haben keine Schulbildung und können nur auf diesem Wege Geld verdienen.
Essen und Wasser wird ihnen vom Lohn abgezogen.
Häufig müssen die Mädchen auf ihren Lohn monatelang warten.
Nur einmal im Jahr (zu Neujahr) dürfen sie nachhause fahren.
Jasmin vermisst ihre Familie und fühlt sich krank.
Sie möchte von ihrem Lohn nachhause fahren und Medikamente kaufen, außerdem will sie ihren Eltern Geld schicken.
Mit größter Anstrengung quält sie sich durch die Zeit bis zur Bezahlung.
Als dann endlich der Tag der Auszahlung gekommen ist, ist sie die einzige die keinen Lohn erhält.
Der erste Lohn wird oft als Pfand einbehalten, damit die Mädchen nicht kündigen können.
Sie kann über Neujahr nicht nachhause fahren.
Die Schuld für das Elend dieser Mädchen trägt nicht allein der Fabrikbesitzer sondern auch die Firmen die ihre Ware für einen minimalen Preis anbieten und dabei maximalen Gewinn machen wollen.
Ein Verhandlungsgespräch mit einem englischen Auftraggeber läuft folgendermaßen ab:
Der Mann möchte eine Jeans und dazu eine Jeansjacke anbieten, hierfür zahlt er nach Verhandlungen 4,1 Dollar.
Im Verhälnis zu dem was er daran verdienen wird ist dies ein lächerlicher Preis.
Jasmin und ihre Freunde fertigen in 1,5 Stunden 50 Jeans, für diese erhalten sie zusammen einen Lohn von 1,45 Dollar.
Die Problematik die in diesem Film gezeigt wird bezieht sich nicht allein auf China, sondern auch auf die meisten anderen Länder aus denen wir unsere Kleidung beziehen.
Angeboten wird diese Ware in Läden wie H&M, Adidas, Nike, New Yorker und vielen anderen.
Ich habe diesen Film mit meiner Klasse gesehen, einige haben gesagt es wäre ihnen egal und andere schliefen dabei ein.
Diese Haltung hat mich tief getroffen, da ich der Meinung bin wir dürfen nicht länger wegesehen.
Deutschland geht wirtschaftlich bergab, wir müssen wettbewerbsfähig werden sagen die Politiker.
Wir werden niemals wettbewerbsfähig sein!
Die Firmen gehen ins Ausland weil sie dort billiger produzieren können, um mehr zu verdienen gehen sie über Leichen!
Dies ist ein Problem, das uns alle etwas angeht!
Selbst wenn es uns egal sein sollte was mit irgendwelchen Menschen in China oder sonst wo passiert.
Wir sind diejenigen die keine Arbeit mehr finden werden, wir werden die sein, die bei der Globalisierng untergehen.
Darum sollten wir dafür kämpfen, dass die Arbeitsbedingungen solcher Leute verbessert werden.
Es gibt Organisationen wie die ILO, die sich dafür einsetzt, dass Arbeiter in Fabriken nach den Menschenrechten behandelt werden.
Einige werden sich fragen welchen Sinn das Ganze hat und was man dagegen tun soll.
Ich habe über dieses Thema geschrieben weil ich hoffe, dass es vielleicht Menschen gibt denen nicht alles egal ist!
Ich möchte, dass jeder davon erfährt wie die Kleidung die wir tragen entsteht und wieviel Leid unser Geiz anderen Menschen zufügt.
Ich möchte, dass solche Ausbeuter in die Ecke gedrängt werden und gezwungen werden fair zu handeln.
Mir ist klar, dass es vielleicht nicht sonderlich viel bringt diesen Text zu schreiben aber wenn es auch nur einen dazu bringen würde über dieses Thema nachzudenken wäre vielleicht schon ein kleiner Schritt getan.
Um große Schritte zu tun braucht es Viele.
Man kann in den Läden nachfragen wie die Kleidung hergestellt wird.
Wir haben von einer Frau die zu der ILO gehört Zettel bekommen.
Diese Zettel kann man in Läden abgeben
Auf ihnen steht:
...
Viel lieber wäre ich Kunde bei Ihnen, wenn ich sicher sein könnte, dass Ihre Textilien und Sportsachen unter "sauberen" Produktionsbedingungen hergestellt werden ...

In eingen Ländern haben diese Zettel bereits dafür gesorgt, dass Firmen auf den Protest der Leute aufmerksam wurden und etwas getan haben, denn die Kunden sind schließlich wichtig für sie.

Hier findet ihr weitere Informationen über "unsaubere Geschäfte" einiger Firmen und über gegen-Aktionen:
http://no-racism.net/old/s26/epz/kleiderfirmen_anklage.html
http://www.inkota.de/


Wenn ihr etwas gegen diese Ausbeutung tun wollt, dann sprecht mit anderen Leuten darüber, seht euch den Film an und sitzt nicht still da!

Zum Abschluss ein Brief von Jasmin:
»Hallo Freund, hallo aus China. Meine Freunde sagen, ich sei sehr süß, deshalb nennen sie mich Little Jasmine. Vor vier Monaten habe ich mein Zuhause verlassen, jetzt lebe ich in einer Fabrik. Ich vermisse meine Eltern, meine Schwester, meine Großmutter und meine Katze. Ich würde Dir sehr gerne die wunderschöne Gegend von Szechuan zeigen. Magst Du die Szechuan-Küche? Meine Freunde und ich haben diese Jeans für Dich hergestellt. Ich hoffe, Du magst die Hose. Liping sorgt für die Gesäßtaschen, Orchid näht die Reißverschlüsse ein und ich schneide lose Fäden ab. Uns wird gesagt, wir könnten glücklich sein, diesen Job zu haben. Ich bin froh, dass ich meine Familie unterstützen kann. P.S.: Meine Freunde wundern sich, warum ihr alle so groß und dick seid?«

Aus einem Brief, den die Textilarbeiterin Jasmin als »Flaschenpost« in einer Jeans versteckt hat, die sie im Auftrag von Wal-Mart herstellte.
Ich hatte hier mal einen Thread über die Teilnahme einer BAYER-Tochterfirma an der Ausbeutung der Rohstoffe im Osten der DR Kongo. (dort, wo wir unsere Soldaten hingeschickt haben).
Die kanzlerin selbst fährt doch auch nach China, um die wirtschaftlichen Beziehungen zu verbessern - ich finde es extrem widerlich, wie in den Nachrichten extra darauf hingewiesen wird, dass die Kanzlerin (und das betrifft wohl auch Kohl und Schröder zuvor) zur Einhaltung der Menschenrechte auffordert. Wie geheuchelt ist das denn bitte? Da verhandele ich auf der einen Seite profitable Millardengeschäfte aus und dann beschwere ich mich über die Methoden der Chinesen? Wenn mich das wirklich stören würde, würde ich mit denen auch keine Geschäfte machen.

»Kapital«, sagt der Quarterly Reviewer, »flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel.«
passt an solche Stellen immer ganz wunderbar.
Ich kann euren beiden guten Beiträgen nichts mehr hinzufügen und mache deshalb auf eine "Nebenwirkung" der Einstellung in der chinesischen Wirtschaft (und Politik) aufmerksam:

Mit der selben Rücksichtslosigkeit, mit welcher die Arbeiter ausgebeutet werden, wird auch die Umwelt zu Grunde gerichtet (Abholzung, Gewässerverunreinigung, Luftverschmutzung...). Wer mal die Smoglandschaften aus der Distanz gesehen hat sieht das Problem deutlich.
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