Cheat-Praxis: Wissenswertes

Cheat-Praxis: Wissenswertes

Kaum noch Cheats in Videospielen:
Wie das Verschwinden zu erklären ist

Oben, oben, unten, unten, links, rechts, links, rechts, B und A: Wer in den 1990er Jahren aufgewachsen ist, wird den Konami Code wiedererkennen. Mit ihm ließen sich im Arcade-Spiel Gradius 1985 frühzeitig Power-ups erlangen. Versehentlich wurde der Cheat im Spiel belassen. Inzwischen wurde der Code etliche Male wiederverwendet, sogar in Titeln, die gar nicht aus der Feder von Konami stammen. Seit geraumer Zeit werden Videospiele zunehmend ihrer Cheats beraubt. Trainer und Mods werden fürs Mogeln oft zwingend benötigt. Wie ist dieser Trend zu erklären?

Ursprünglich Tool für Entwickler - heute überflüssig

Cheats waren früher in erster Linie ein Debugging-Tool für Entwickler. Ziel war es, Fehler rasch aufzuspüren und auszumerzen. Trat ein Fehler im 37. Level auf, konnte ein Entwickler per Cheat ins Level springen - ohne die vorherigen 36 Spielabschnitte zu durchlaufen. Grand Theft Auto ist berüchtigt für Tastenkombinationen, die Waffen herbeizaubern, Fahrzeuge beschwören oder die Spielfigur unverwundbar machen.

Dass Cheats kaum noch in Videospielen anzutreffen sind, hängt mit dem Debuggen zusammen. Denn: Cheats waren ein Notbehelf, den sich Entwickler zurechtgelegt haben. Engines wie Unreal und Unity verfügen über mächtige Tools, die den Cheat abgelöst haben. Entwickler müssten also absichtlich Cheats einbauen - ohne dass dies fürs Debuggen von besonderem Nutzen wäre.

Wer nach Cheats für die neuesten Online Casinos sucht, geht leider leer aus. Testagenturen, die neue Spielautomaten vor Release testen, simulieren Millionen Drehungen mit einem Computer. Wenn selbst die Tester keinen Zugriff auf Cheats haben, ist also höchstwahrscheinlich kein Code vorhanden. Auf Casino-Seiten sind die einzigen zulässigen Cheat-Codes Boni mit Freispielen und/oder zusätzlichem Guthaben.

Neues Geschäftsmodell: Mogeln mit Mikrotransaktionen

Teilweise wurden Cheats zu einem Geschäftsmodell umfunktioniert. In Assassin's Creed Odyssey können per Mikrotransaktion Erfahrungspunkte und Drachmen erstanden werden. Früher hätten Cheats XP herabregnen lassen oder den Silberbeutel gefüllt. Andere Käufe markieren Sammelobjekte auf der Weltkarte. Sogar Ausrüstung und Reittiere lassen sich erwerben. Wichtig: Odyssey ist ohne Mikrotransaktionen ohne Probleme spielbar. Cheats sparen hier vor allem Zeit: Spieler können sich auf die Hauptquest konzentrieren, statt mit Alexios oder Kassandra jede Nebenaufgabe zu erledigen.

Mikrotransaktionen ist im Übrigen ein weiterer Wegfall anzulasten: Skins. Noch bevor Achievements in Videospielen Einzug gehalten haben, wurde etwa das Durchspielen auf einem hohen Schwierigkeitsgrad belohnt. Mal wurde den Spielfiguren ein neues Outfit übergestülpt, mal erstrahlten Waffen in Gold. Häufig bergen Skins keine spielerischen Vorteile, aber einige Outfits - etwa Cartoon Drake aus dem ersten Uncharted - rufen zumindest ein Schmunzeln hervor. Selbstverständlich werden nach wie vor Games veröffentlicht, in denen Skins freigespielt werden können. Doch häufig können nur bestimmte Outfits freigeschaltet werden, während andere einen Kauf voraussetzen.

Inkompatibel mit Erfolgen und Trophäen

Erfolge sind fast so alt wie Videospiele selbst. In der Arcade-Ära ließen sich bei Pac-Man, Space Invaders oder Asteroids Punkte sammeln - wer alle Leben eingebüßt hatte, konnte sich anschließend in einer Bestenliste eintragen. Während der 1980er und 1990er Jahre beliebte Sierra-Adventures wie King's Quest hatten ein Punktesystem. Nur wer die Abenteuer in- und auswendig kannte, hatte eine Chance, alle Punkte einzusammeln. 2005 führte Microsoft den Gamerscore ein: Entwickler waren plötzlich aufgefordert, Erfolge zu verbauen und mit Gamerscore zu belohnen. 2008 folgte Sony mit Trophäen in Bronze, Silber, Gold und Platin. Mobil machten Achievements erstmals 2011 auf sich aufmerksam.

Einziges Problem: Erfolge müssen ehrlich verdient werden. Cheats deaktivieren nicht selten alle Achievements. Wer nach Gamerscore oder Trophäen achtet, muss sich üblicherweise von Cheats fernhalten. Während Errungenschaften vorgeschrieben sind, gilt dies nicht für Cheats - deshalb ziehen letztere oft den Kürzeren. Tatsächlich haben die Entwickler selbst in der Hand, ob Cheats Erfolge behindern. So hat der Plattformer Celeste einen Assist Mode, der je nach Bedarf die Spielgeschwindigkeit drosselt, Madeline unendliche Ausdauer verleiht oder sie unverwundbar macht. Achievements lassen sich hier immer verdienen, egal, wie viele Spielhilfen zugeschaltet werden. Zwar beklagen Puristen, dass dies Erfolge entwerten würde, aber da Celeste barrierefrei sein möchte, findet die Kritik kaum Widerhall.

Häufig unfair wegen Online-Spielmechaniken

Mitunter verhindert der Multiplayer, dass Cheats in Videospielen funktionieren. So haben selbst Einzelspieler-Titel wie Death Stranding Spielmechaniken, die auf Zusammenarbeit fußen. Von anderen Spielern errichtete Brücken können genutzt, verlorengegangene Fracht aufgelesen werden. Cheat-Codes würden dieses Feature entwerten. Im klassischen Multiplayer, in dem sich Spieler etwa in Call of Duty beharken, verhageln Cheats den Spielspaß - zumindest allen, die gerade ehrlich unterwegs sind.

Cheats im Wandel: Früher Module, heute Software

Bei nahezu allen Videospielen lassen sich Cheats nachrüsten: Trainer sind kleine Programme, die Spieldaten manipulieren und so Vorteile im Spiel gewähren. In früheren Zeiten - bis zum 3DS im Jahre 2011 - kamen Module wie das Game Genie oder Action Replay zum Einsatz: Aufsätze, die Level vereinfachen oder sogar erschweren konnten. Das Game Genie wurde von Galoob herausgebracht - und stieß bei Nintendo auf so heftigen Widerstand, dass Klage erhoben wurde. Nintendo sah das Urheberrecht verletzt. Vor Gericht unterlag der Konsolenhersteller aber, da die Module ohne originale Hardware nicht funktionstüchtig waren. Ergo hatte Nintendo auch keine Umsatzeinbußen zu befürchten.

Neben Trainern haben sich Mods etabliert: Modifikationen, die etwa Fehler beheben oder Spielmechaniken verändern. In Fallout bewegt sich die Spielfigur langsamer, wenn zu viele Items gesammelt wurden - Mods können dem Inventar unendlich tiefe Taschen verleihen. Andere Mods fügen Skins hinzu, die vorher nicht enthalten waren. Groß angelegte Mods haben zum Teil eigene Handlungsstränge, die wie ein eigenes Spiel funktionieren. Vor allem Bethesda-Spiele wie The Elder Scrolls sind aufgeschlossen gegenüber Mods, vertreiben diese teils über offizielle Kanäle.